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Der Afrikanische Blick (3)

Donnerstag, 24. Juni 2010 um 1:01 Uhr

Für Kulturzeit begleitet der junge Journalist Lionel Some Schlingensiefs Produktion VIA INTOLLERANZA II. Dritter Teil aus der Reihe “Der Afrikanische Blick” (Beitrag aus 3Sat Kulturzeit vom 20.5.2010)

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Eine der letzten Proben in BrĂĽssel. Die Anspannung steigt – die KĂĽnstler verlieren die Geduld. Issouf kann sich kaum noch zusammenreiĂźen. Die Szenen werden immer und immer wiederholt. Auch Sängerin Kandy Guira ist aufgeregt: “Mir dreht sich der Magen gerade um. Es fĂĽhlt sich an, als ob ich etwas Falsches gegessen hätte”, sagt sie. “Ich glaube, wir habe eine gute Möglichkeit gefunden, die Weltbilder, die wir alle vom afrikanischen Kontinent und von Europa haben, einfach auf den RĂĽcken zu legen“, sagt Christoph Schlingensief.

Bauchschmerzen und Lampenfieber

Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Hinter den Kulissen sind die Künstler gereizt. Die Stimmung ist hochexplosiv. “Ich habe Lampenfieber”, sagt Isabelle Tassembedo. “Da ich noch nie öffentlich aufgetreten bin, bin ich gerade ziemlich aufgeregt. Ich hoffe, dass alles gut gehen wird. Ich habe gerade noch zur Muttergottes gebetet und eine Mutter lässt ihre Kinder niemals fallen.” “Heute Morgen bin ich aufgewacht und hatte Bauchschmerzen”, sagt Regisseur Schlingensief, “weil ich merke, dass die Probenzeit für meinen Körper etwas zu anstrengend war. Das heißt, ich bin vor vier Wochen noch vom Arzt angehalten worden, alle drei Stunden eine Stunde zu schlafen oder mich hinzulegen. Hier haben wir zehn Stunden gearbeitet.”

Bei der Premiere sehen die Künstler auch die Juroren des Castings in Burkina Faso wieder. “Wenn wir von Kunst sprechen, meinen wir Afrika”, sagt Sänger Issouf Kienou. “Wenn wir von Kultur sprechen, meinen wir Afrika. Dass Gott uns alle beschütze und dass uns die Aufführung den Erfolg bringt, den wir uns wünschen.” Und dann geht es los. “Es ist keine gefühlsduselige Geschichte vom afrikanischen Kontinent”, so Christoph Schlingensief. “Nein, keine sentimentale Geschichte. Es ist Hardcore.” Auf der Bühne stehen nicht nur die acht Künstler aus Burkina Faso, sondern neben dem Regisseur noch sieben weitere europäische Schauspieler und Musiker. Nach der Vorstellung sind alle erleichtert.

Jenseits bekannter Klischees

“Am Ende ist alles gut”, resĂĽmiert Schlingensief. “Sehr, sehr stark. Super, super, super. Keiner hat einen Aussetzer gehabt.” Nicht nur die afrikanischen KĂĽnstler sind begeistert, auch das Publikum. Die Zuschauer sind begeistert, Afrikaner und Europäer gemeinsam auf der BĂĽhne zu erleben – jenseits aller bekannten Klischees. Das Team erhält GlĂĽckwĂĽnsche von allen Seiten. Die Vorfreude auf die nächste Station im Hamburger Kampnagel an Pfingstsonntag ist groĂź.

Quelle: Lionel Some fĂĽr Kulturzeit, 3sat Kulturzeit vom 20.5.2010